Landesverband Hessen e.V. des Deutschen Journalisten-Verbandes

 

 

2. Runde Zeitungsverhandlungen ohne Ergebnis auf 29.09. vertagt
Aktionen in vielen Redaktionen: "Unsere Arbeit ist mehr wert!" - Forderung: 7,5 % für Redakteure und Freie


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04.09.2008 BERLIN.    In zahlreichen Städten Deuschlands gibt es in diesen Tagen Initiativen und Aktionen, um die laufenden Tarifverhandlungen für Redakteure und Freie zu unterstützen. Kolleginnen und Kollegen von DJV und ver.di haben am heutigen Donnerstag die Verleger in Frankfurt mit der plakativen Forderung nach 7,5 Prozent mehr Gehalt bzw. Honorar begrüßt. Als die zweite Tarifrunde um 11.00 Uhr begann, stellten sie sich mit der Gehaltsforderung an strategisch günstiger Stelle im Verhandlungshotel auf. Spätestens jetzt wissen die Verleger, dass es DJV und ver.di Ernst ist mit der Forderung nach 7,5 Prozent mehr.

"Unsere Arbeit ist mehr wert" lautet ein Motto auf zahlreichen T-Shirts, die von DJV-Mitgliedern in Redaktionen aufgehängt oder angezogen wurden (siehe Bilder). Die Forderung von 7,5 Prozent mehr Lohn sei berechtigt, denn auch Redakteure wären vom allgemeinen Preisanstieg betroffen und hätten nichts mehr zu verschenken, hieß es.

Die Kolleginnen und Kollegen der "Wilhelmshavener Zeitung" verurteilen die Umgehung der Tarife durch Auslagerung oder unbefristete Zeitarbeit, zumal wenn die Zeitarbeitnehmer von verlagseigenen Zeitarbeitsfirmen entliehen werden. Zeitarbeitslöhne müssten dem Branchentariflohn oder dem Haustariflohn zwingend angenähert sein. Dies müsse Arbeitgebern und Politikern immer wieder ins Stammbuch geschrieben werden.


Auch in Thüringen gibt es Aktionen

Mit Installationen in den Innenstädten von Bad Salzungen, Erfurt, Meiningen und Weimar haben heute Journalistinnen und Journalisten der 6 Thüringer Zeitungsverlage auf die Funktion des Journalismus in der demokratisch verfassten Gesellschaft hingewiesen. Sie sehen ihre Aufgabe in der Mitwirkung bei der Bildung der öffentlichen Meinung und der kritischen Begleitung der gesellschaftlichen Prozesse.

Mit der Aktion an vier von sechs Verlagsstandorten fordern sie eindringlich, dass die Tageszeitungen sich gerade wegen der schnellen Informationsbeschaffung über das Internet wieder auf ihre Stärken besinnen: Analyse, Hintergrund, Kommentierung, Sprachkraft. Die Bürger benötigen Orientierung in der Informationsflut. Belege dafür haben die Journalistinnen und Journalistenzwischen 11.00 und 14.00 Uhr auf Kartons gezeigt, die für viele spontane Diskussionen von Passanten sorgten. So war unter anderem zu lesen:

- Eine ganz üble Kiste ist der Handel mit privaten Daten: Ohne Schlagzeilenin den Medien wäre vielleicht auch Ihr Konto abgeräumt worden.

- Verstecken bringt nix: Medien bringen Licht in Herrn Zumwinkels dunkle Liechtensteiner Geldgeschäfte.


Die Journalistinnen und Journalisten wollen die Aktion zugleich als Mahnung an die Chefetagen in den Verlagen verstanden wissen, die Voraussetzungen für diesen qualitativen Journalismus zu schaffen. „Wir sind an der Grenze der Belastbarkeit in den Redaktionen angekommen“, erklärte DJV-Landesvorsitzender Wolfgang Marr. „Das belegt eine Umfrage unter Tageszeitungs-Journalisten in Thüringen.“ Das eigentlich Schlimme daran ist, dass immer weniger Zeit für die Recherche bleibt – dem Kern der journalistischen Tätigkeit. Mit der Forderung nach 7,5 Prozent mehr Gehalt und Honorare geht es den Journalistinnen und Journalisten auch um die Sicherung ihrer Unabhängigkeit. Wer nur – wie die hauptberuflich Freien – 5 Euro für das Bild oder 17 Cent für die gedruckte Zeile erhält, muss sich andere Auftraggeber suchen, was die Arbeitsbelastung in den
Redaktionen weiter anwachsen lässt.

"Unsere Arbeit ist mehr wert": Die Redakteure des Göttinger Tageblatts haben sich heute Morgen am Eingang des Tageblatt-Verlagshauses zu einem optischen Statement vor dem Hauseingang. Die Göttinger Kolleginnen und Kollegen unterstützen die Verhandlungsführer ihrer Gewerkschaften bei der Durchsetzung ihrer berechtigten Forderungen nach einer angemessenen Gehaltserhöhung, um einen qualitätshaltigen Journalismus auf Dauer zu sichern.

Ohne ein Angebot der Zeitungsverleger endete die heutige zweite Runde der Zeitungstarifverhandlungen 2008 in Frankfurt für die rund 14.000 Redakteurinnen und Redakteure sowie die freien Journalisten an Tageszeitungen. "Die Verleger waren auch heute nicht bereit, ein Angebot vorzulegen", kritisierte DJV-Verhandlungsführer Hubert Engeroff.


Als Verhandlungsfortschritt bezeichnete der DJV-Verhandlungsführer die deutliche Absicht der Verleger, kurzfristig einen neuen Gehaltstarifvertrag abzuschließen. Bei einem passenden Gehaltsabschluss wären die Verleger bereit, die Kündigung des Manteltarifvertrags zurück zu nehmen. Auch die Integration der Online-Redakteure in den Tarifvertrag stellten sie in Aussicht. "Damit die Tarifverhandlungen erfolgreich weiter geführt werden können, müssen die Verleger endlich ein Angebot vorlegen", erklärte Engeroff. Als nächsten Verhandlungstermin vereinbarten DJV, ver.di und BDZV den 29. September in Berlin.


DJV wirbt per Film für Tarifziele im Printbereich

Redaktionsstress, wachsender Arbeitsdruck und die DJV-Tarifforderung nach 7,5 Prozent mehr für Freie und Festangestellte bei Zeitungen und Zeitschriften sind das Thema eines Films, der ab sofort auf der DJV-Homepage zu sehen ist. Betroffene Journalistinnen und Journalisten einer Zeitungsredaktion geben in zweieinhalb Minuten einen Einblick in ihre Arbeit - und begleiten so die laufende Tarifrunde Print. Den Film hat das Berliner Journalistenbüro Röhr + Wenzel im Auftrag des DJV produziert.

"Wir setzen für das Erreichen unserer Tarifziele auf ein breites Spektrum an Kommunikationsmitteln", erklärte DJV-Verhandlungsführer Hubert Engeroff. Dieser Film sei der erste in einer Reihe von audiovisuellen Beiträgen zur DJV-Tarifkampagne. "Die Filme sollen eines deutlich machen: Hinter unseren Tarifforderungen stehen Menschen mit ihren alltäglichen Problemen und ihren Erwartungen an eine berufliche Perspektive im Journalismus", sagte Engeroff. Spätestens jetzt werde für jeden offensichtlich, dass langwierige Tarifverhandlungen ohne Ergebnis bei den Kolleginnen und Kollegen kein Verständnis fänden.

Um den DJV-Tariffilm zu starten, reicht ein Klick auf den folgenden Link: http://www.djv.de/Unsere-Arbeit-ist-mehr-wert.2760.0.html +++