Landesverband Hessen e.V. des Deutschen Journalisten-Verbandes

 

 

11. Konferenz der Freien in Fulda
Kompetenz plus Organisation plus Strukturierung des Einkommens


116.09.2008 FULDA.   Von einer Analyse des Marktes und der beruflichen Bewegung auf eben diesem, über die Notwendigkeit, sich selbst zu organisieren und der (über-) lebensnotwendigen Berechnung dessen, was monatlich an Einkommen erwirtschaftet werden muss bis zur Verwaltung der eigenen Finanzen - ein umfangreiches Spektrum dessen, was bei der 11. Konferenz der Freien in Fulda unter dem Stichwort Betriebswirtschaft verabreicht wurde.

Wissen, was sich in anderen Medien abspielt, sollte nach den Worten von Prof. Dr. Jo Groebel, Leiter des Berliner Digital-Instituts, für Freie selbstverständlich sein, sind sie es doch, die für ihre Dienstleistungen mehr als nur traditionelle Adressaten benötigen. Neu ist das nicht, führte aber als Impulsreferat - gestenreich vorgeführt und von Fachsprache befrachtet - in das ein, worum es bei den Folgebeiträgen ging: sein Know-How betriebswirtschaftlich unterfüttert zu Markte zu tragen. Alleinstellungs-Charakter wird für Schreibe und Fotos gefordert, doch die Amateurisierung des journalistischen Berufes oder die Abwendung jüngerer Generationen von den Printmedien das professionelle Arbeiten erschweren das. Verschwinden würden die Grenzen von Text, Bild, Blog und Video, statt Information sei Nervenkitzel gefragt. Groebels Rat: Professionalisierungund Kompetenzerweiterung.

1Sich erfolgreich auf dem Markt bewegen braucht ein Fundament: sich selbst zu organisieren angesichts des eigenen Chaos wie dem von Auftraggebern. Handfeste Tipps dazu lieferte Michael Hirschler, Vorsitzender des DJV Hessen. „Schreiben Sie Ihre langfristigen Ziele auf, finanzielle, persönliche, inhaltliche. Sagen Sie Auftraggebern, was Sie nicht machen. Verfolgen Sie die Medien, von denen Sie Aufträge haben wollen. Lesen Sie Postillen extremer Ausrichtung um Konfliktpotenzial auszuloten und Publikationen anderer Länder, pflegen Sie Spezialwissen.“ Ausbildung der eigenen Qualitätsmarke, durchgestylt bis zu den E-Mails, aktive und passive Akquise, Eintrag in Verzeichnissen, Pools, Agenturen, Netzwerkbildung: „Alles sinnvoll, aber damit beginnt die Geschichte (der Selbstorganisation) erst.“

Sich bei Redaktionen einen Namen machen, Abnehmern Geschäftsbedingungen und Honorarlisten (vom DJV) aushändigen, zu verweisen, dass Zusatzaufträge kostenpflichtig sind. „Eignen Sie sich Technikwissen an, organisieren Sie Ihre Arbeitszeiten, setzen Sie (sich) Fristen, führen Sie einen Wiedervorlage-Kalender, gewinnen Sie den Lebenspartner als persönlichen Assistenten, schauen Sie bei Fragen nachPersonal, GbR, GmbH, Ein-Euro-Job unter djv.de/freie nach.

Handfeste Tipps im Folgenden auch bei Wolfgang Kiesel, dessen Stärke es ist, berufliche und finanzielle To Do’s fast schon auf eine makabre Art unterhaltsam nahe zu bringen, ohne zu simplifizieren: Beim Arbeitszimmer ein bisschen was für den privaten Bereich belassen – der Hausratsversicherung wegen. Wissen, dass Dienstwagen über sechs Jahre abgeschrieben werden, dass die Ein-Prozent-Regelung besser ist als Fahrtenbuch zu führen. Dauerhaft unter 1.500 Euro verdienen und für weniger als 1,20 Euro Zeilenhonorar zu schreiben sei nicht profihaft. Mehrwert richtig berechnen, Kosten kalkulieren.

1Steuerberater einsparen, rät Kiesel. 20 Minuten Rechenarbeit im Monat würden diesen ersetzen, eigenes Controlling sei unabdingbares Muss. Zu achten sei auf den zeitlichen Eingang der Honorare und den Zeitpunkt von Abbuchungen, sich vertraut machen, wie Mahnen funktioniert. Abgeraten wird von Leasing und Krediten, zugeraten, wie schon zuvor, sich und seine Angebote unverwechselbar und erkennbar zu machen. Letzte Tipps (für diesmal): Bestellte Zeilen vom Honorar her nicht kürzen, die Bezeichnung „frei“ hinter sich zu lassen, zwei Netto-Monatshonorare zurückzulegen, Geld nur mit kurzer Verfügbarkeit anzulegen, Rücklagen fürs Finanzamt bilden (ca. zwölf Prozent der Netto-Honorareinnahmen).
Unter www.abgabenrechner.de nachschauen und den Betrag eingeben, den man zu versteuern gedenkt. (FRIEDBERT WOLTER). +++