Landesverband Hessen e.V. des Deutschen Journalisten-Verbandes

 

 

Treffen deutschsprachiger Journalisten: Sieben Wahrheiten binnen zweier Tage

27.09.2008 WIESBADEN.    In Vino veritas - Wahrheit Nummer 1.    Für das Journalistentreffen der DJV-Landesverbände Hessen, Rheinland-Pfalz und Thüringen mit Berufskollegen und Gewerkschaftern aus den Nachbarländern Österreich und der Schweiz – für die Eidgenossen handelte es sich um eine Premiere – war Wiesbaden und die Rheingauregion bestens gewählt. Das Stimmungsbarometer im Herbst 2008 suggerierte ein Hoch.

Wahrheit Nummer 2.    DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken fand aufmerksame Zuhörer als er von den Schwierigkeiten bei den Tarifverhandlungen im Tageszeitungsbereich und begleitenden Aktionen der Arbeitnehmer berichtete. Dazu streifte er die Schärfe um feine Formulierungen je nach Lagerzugehörigkeit beim von Brüssel argwöhnend beobachteten Rundfunk- Änderungsstaatsvertrag.

Wahrheit Nummer 3.    Wieder einmal hat sich die Einladung von Wolfgang Kiesel als Volltreffer erwiesen. Der freie Journalist und Trainer hielt Europa, aber auch den Journalisten, nicht nur in Brüssel und Straßburg, mit seinem Impuls ´´Entwicklung zwischen Globalisierung und EU-Regelungswut`´ seinen Spiegel vor, der eine Menge Denkstöße implizierte. Nein, es gibt eigentlich keinen europäischen Journalismus. Und mit der Medienkultur verhält es sich nicht anders. Sieht man sie aus der Sicht der Rezepienten. Also keine überbordende Freude, eher Skepsis beim Thema Europa. Dazu fallen die Reaktionen auf massiv stattfindende Konzentration unterschiedlich aus. Er führte unrühmliche Beispiele aus den Printmedien an, wie die Renditeerwartungen Montgomerys.

Wahrheit Nummer 4.    Alle deutschen Teilnehmer des Treffens hörten ihrem österreichischen Kollegen Fred Turnheim, Chef des Journalistenclubs Wien, beinahe gebannt zu, weil dieser nämlich auf den Punkt brachte, wie man in Brüssel echte Zugänge öffnet. Wohl wissend, dass man mit Menge und Einfluss der Lobbyisten aus den Unternehmensbereichen eigentlich nicht konkurrieren kann. Gespräche mündeten in einem Non-Paper zur Stellung der Journalisten im europäischen Urheberrecht und riefen nun das Parlament auf die Tagesordnung. Deutschland sei aufgrund seiner Rechtslage nicht betroffen, so Rainer Reichert vom DJV Bayern. Wolfgang Marr wertete den Weg der Nachbarn als Empfehlung für den DJV, Positionen stets kompetent vorzutragen, bei aller Wertschätzung, dass Gruppenreisen zu besserem Europaverständnis beitragen.

Wahrheit Nummer 5.    Michael Kress lenkte die Aufmerksamkeit auf die gemeinsame Sprache der drei am Tisch sitzenden Verbände, schickte aber Überlegungen hinsichtlich der Prägung einer europäischen Sprache ins Reich der Phantasie. Der Spitzenmann der größeren der beiden österreichischen Mediengewerkschaften hatte dann eher ungewollt eine Nachricht parat, die den DJV interessieren muss. Es gibt Gespräche zwischen den zerstrittenen Nachbarn, die Richtung Normalisierung gehen. Wenn da man keiner an die beiden Berliner DJV-Verbände denkt.

Wahrheit Nummer 6.    Gastgeber Hans-Ulrich-Heuser, Vorsitzender des DJV-Landesverbandes Hessen, strahlte übers ganze Gesicht, als er zu einer gemeinsamen Erklärung ermutigen konnte. Nicht zum Selbstzweck, sondern als Weckruf für die Bürokratie in Brüssel, dass Journalisten in Europa tagtäglich eine eminent wichtige Aufgabe leisten. Nämlich den Beitrag zur Durchsetzung von Pressefreiheit und damit Stärkung der Demokratie, ausnahmslos in allen Staaten der Gemeinschaft.

Wahrheit Nummer 7.    Es steckt mehr als eine Pflichtübung hinter dem Dank an den 2. Vorsitzenden des DJV Landesverbandes Rheinland-Pfalz Rolf Lorig sowie an Umberto Biaggioni, der die Türen für eine selbst für Journalisten außergewöhnliche Besichtigung unzähliger Studios auf dem Mainzer Lerchenberg öffnete und dem Vorruheständler Karl Groß vom ZDF für seine kompetente Führung. Wer aufmerksam zuhörte, bemerkte Nuancen unterschiedlicher Arbeitsweise und technischer Ausstattung beim ZDF auf der einen und ORF auf der anderen Seite.

Der Wahrheiten nicht genug. Der Ausklang des Treffens beim Winzer Lorenz Kunz in Oestrich-Winkel mündete bei weitem nicht nur ob des Lobes über die Rheingau-Weine in der Feststellung: Die Skepsis, dass nur Geld für ein Funktionärstreffen in Rede stände, sei der Erkenntnis gewichen, die Schweiz habe auch die letzten Hürden der Integration in diesen Kreis genommen. Aller guten Dinge sind also nicht nur auf dem Papier drei. Fortsetzung folgt – mit Treffen Nummer drei dann Mitte 2009 in der Wachau. (Wolfgang MARR). +++