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NRW: "Konzeptloser WAZ-Kahlschlag" und Streikaufruf für Kölner G+J-Redakteure
18.02.2009 NORDRHEIN-WESTFALEN Als konzeptlosen Kahlschlag der gewachsenen Zeitungslandschaft im Ruhrgebiet und als verantwortungslose Vernichtung journalistischer Arbeitsplätze hat der Deutsche Journalisten-Verband bekannt gewordene Pläne der WAZ-Geschäftsleitung zum weiteren Abbau von Redakteursstellen und zur Schließung von Außenredaktionen zurückgewiesen. "Es ist weder mit der Medienvielfalt in Nordrhein-Westfalen noch mit der sozialen Verantwortung des Arbeitgebers vereinbar, dass das WAZ-Management ohne eine erkennbare Zukunftsstrategie für die nordrhein-westfälischen WAZ-Titel Arbeitsplätze abbaut, ohne den Journalistinnen und Journalisten Alternativen zu bieten", erklärte DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken. "Stellenstreichungen ohne Gesamtkonzeption für die Zeitungen stellen nicht die Weichen für den richtigen Weg aus der angeblichen Krise der Blätter."
In diesen Tagen war bekannt geworden, dass sich die Zahl der abzubauenden Stellen bei der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung, der Westfalenpost, der Westfälischen Rundschau und der Neuen Rhein-/Neuen Ruhr-Zeitung um weitere 70 auf 330 erhöhen soll. Um dieses Ziel zu erreichen, will die WAZ-Geschäftsleitung dem Vernehmen nach mehrere Lokalredaktionen in so genannten Randbereichen des Verbreitungsgebiets komplett schließen.
"Die WAZ-Geschäftsleitung gesteht mit der Ausweitung der Kahlschlagpolitik ihr eigenes verlegerisches Versagen ein", stellte Konken fest. Der WAZ-Chef sei erst vor wenigen Wochen Gerüchten über einen Rückzug der WAZ-Gruppe aus Randregionen mit dem Argument entgegen getreten, ein solcher Schritt sei verlegerisches Versagen. "Statt die Angst unter den Beschäftigten um ihre Arbeitsplätze weiter nach oben zu treiben, sollte das WAZ-Management endlich ein Zukunftskonzept für die Mediengruppe auf den Tisch legen", forderte Konken.
DJV ruft G+J-Redakteure in Köln zum Streik auf
Die rund 70 Redakteurinnen und Redakteure der Wirtschaftsmagazine Capital und Impulse am Standort Köln sind heute vom Deutschen Journalisten-Verband (DJV) zum Streik aufgerufen worden. Mit der für einen halben Tag geplanten Arbeitsniederlegung reagieren die Kölner Redaktionen auf die schleppenden Verhandlungen über einen Sozialplan und die unzureichenden Angebote der Geschäftsführung von Gruner+Jahr. Die Redakteure von Capital und Impulse haben im Januar ihre Kündigungen erhalten und sollen zum 31. März freigestellt werden. Mit Datum vom 30. Januar haben die Gewerkschaften DJV NRW und ver.di NRW die Geschäftsführung zu Verhandlungen über einen Tarifsozialplan aufgefordert, was bislang ohne Ergebnis blieb.
"Abfindungen in Höhe von durchschnittlich acht Monatsgehältern sind angesichts der schwierigen Arbeitsmarktlage am Standort Köln nicht hinnehmbar", kritisierte DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken das letzte Angebot des Arbeitgebers. Zahlreiche G+J-Redakteure seien über 40 und erst seit weniger als 10 Jahren bei Capital oder Impulse beschäftigt. "Für den Versuch, die Mitarbeiter zu Dumping-Konditionen los zu werden, gibt es keine wirtschaftliche Notwendigkeit bei Gruner+Jahr." Der DJV-Vorsitzende kritisierte die Hinhaltetaktik der Geschäftsführung, die sich zügigen Sozialplanverhandlungen bisher verweigere. Er begrüßte daher den heutigen Streik als "leider unumgängliches Mittel, um die Geschäftsleitung zu einem verbesserten Angebot zu bewegen". Als verhandlungsfähige Offerte bezeichnete Konken ein Bruttogehalt pro Beschäftigungsjahr sowie einen altersabhängigen Sockelbetrag. Anders sei es für die Betroffenen nicht möglich, die Durststrecke bis zu einem neuen Job zu überbrücken.
Die beiden Wirtschaftsmagazine sollen nach den Plänen der Geschäftsleitung künftig von einer Hamburger Zentralredaktion erstellt werden, die auch für Börse online und die Financial Times Deutschland arbeitet. In der Zentralredaktion werden rund 60 Redakteure weniger arbeiten als bisher bei allen vier Titeln zusammen. Nur die wenigsten der bisher Beschäftigten haben die Möglichkeit erhalten, in der neuen Zentralredaktion zu arbeiten. Die Redaktion gehört nicht dem Tarifvertrag an. +++
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