Landesverband Hessen e.V. des Deutschen Journalisten-Verbandes

 

 

DJV: Schließung der FR-Redaktion in Darmstadt wieder
Verlust eines Stückes "publizistischer Meinungsvielfalt"


11.05.2009 DARMSTADT.    Die geplante Redaktionsschließung der "Frankfurter Rundschau" im südhessischen Darmstadt und die gleichzeitig geplante Kooperation mit der "Echo Redaktionsservice GmbH" (Medienhaus Südhessen) ist beim Landesverband Hessen des Deutschen Journalistenverbandes (DJV) auf scharfe Kritik gestoßen. Damit gehe erneut ein Stück "publizistischer Meinungsvielfalt" in Hessen verloren, weil dann die Berichterstattung eines großen Landesteils in der Hand eines Monopol-Verlages liege, erklärte der DJV-Landesvorsitzende Hans-Ulrich Heuser am Montag in Wiesbaden. Auch gegenteilige Argumente der beiden beteiligten Medienunternehmen könnten nicht den Eindruck entkräften, dass es bei dieser Zusammenarbeit nur um eine "Gewinnmaximierung vor Qualität" gehe.

Betroffen von der zum 01. Juli 2009 geplanten Redaktionsschließung sind nach Angaben der FR-Chefredaktion sechs Redaktionsstellen, die allerdings nicht gestrichen werden sollen. Den Journalisten würden vielmehr neue Stellen bei der FR angeboten. Völlig außer acht gelassen werde bei einer solchen Regelung aber auch die Zukunft von etwa sechs "Leihbeschäftigten" eines FR-Tochterunternehmens und die von freien Mitarbeitern, erklärte der hessische DJV-Landesvorsitzende Heuser.

Die Lieferung von täglich bis zu sechs Lokalseiten durch die private Redaktionsservice GmbH kann nach Meinung des DJV Hessen keine Lösung sein. Im Gegenteil befürchte der DJV eine weitere Arbeitsverdichtung auch bei Kolleginnen und Kollegen des "Darmstädter Echos", die jetzt indirekt für zwei Zeitungen schreiben müssten. Die "monopolartige" Entwicklung im Raum Südhessen werfe auch die Frage auf, wie die Zukunft der freie Mitarbeiter aussehe, denn so ginge weiterhin die Möglichkeit einer Mehrfachverwertung verloren.

Nach Informationen des DJV sollen sich die drei künftigen Redakteure der GmbH die ECHO-Artikel aus dem hausinternen System holen und umschreiben. Jeder ECHO-Redakteur erhalte für diese Zweitverwertung 50 Euro pauschal pro Monat zusätzlich zum Gehalt, so erfuhr der DJV aus Redaktionskreisen. Ähnlich soll es auch den Freien des ECHO laufen, denn auch deren Artikel würden dann von den "GmbH Redakteuren" bearbeitet. Bei einer Veröffentlichung wird ein Honorar für die Zweitverwertung in Aussicht gestellt, doch sei darüber noch nicht verhandelt. Und noch ein Detail zu den neuen "Darmstädter Verhältnissen": zwei ECHO-Volontärinnen, die sonst arbeitslos geworden werden, sollen nun in die "GmbH" übernommen werden: zum Einstiegsgehalt für Redakteure mit Urlaubs- und Weihnachtsgeld, aber ohne Leistungen zur Presseversorgung. (red./ma) +++