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Eine "kreative Unruhe" erzeugen - erfolgreicher 4. Süddeutscher Journalistentag
16.05.2009 MÜNCHEN. Wenn fünf DJV-Landesverbände das vierte Mal zu einem "Süddeutschen Journalistentag" einladen, dann sind die Erwartungen hoch - und wurden auch diesmal nicht enttäuscht. Nach Fulda, Nürnberg und Mainz trafen sich Mitglieder - und überraschend auch viele Nicht-Mitglieder - in diesem Jahr beim Bayerischen Rundfunk in München. Die zentrale Lage, nicht weit vom Hauptbahnhof, und die geräumigen Sitzungssäle boten genügend Platz für die Foren, individuelle Gespräche sowie den "Marktplatz" mit rund 20 Ständen von Unternehmen und Verbänden. Einen kleinen "Wermutstropfen" gab es für die Organisatoren allerdings auch: von 620 angemeldeten Kolleginnen und Kollegen kamen tatsächlich nur etwa 450. Das ist schade. Und wirft für weitere Journalistentage Fragen auf; erfordert aber auch Nachdenken über den künftigen Modus. Denn wegen der hohen Anmeldezahlen war schon eine Woche vor dem Termine die Anmeldeliste geschlossen worden - ein Umstand, der nun so manchen verärgert hat.
Die Landesverbände Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Thüringen wollten auch diesmal - wie es der hessische Landesvorsitzende Hans Ulrich Heuser in seiner Begrüßung ausdrückte - "eine kreative Unruhe erzeugen". Dies ist, allein schon durch die ebenso praxistaugliche wie zukunftsorientierte Themenauswahl, gelungen. Ob es um Probleme bei der Existenzgründung von Journalisten ging oder die Bedingungen im heutigen Sportjournalismus, ob die Auswirkungen der Finanzkrise auf den Journalismus von qualifizierten Kollegen beurteilt wurden oder ganz konkret die Zukunft der Tageszeitungen zur Diskussion stand - das Interesse an den Foren mit Diskussionsmöglichkeiten, etwa auch zu Online, Bildjournalismus, Zeitschriften, war groß.
Für viele Teilnehmer wurde schon das Impulsreferat von Wolf Schneider zur Eröffnung des Journalistentages "zum absoluten Highlight". Beeindruckend, wie der 84-jährige Wolf Schneider sich in brillanter Sprachkunst über die schiefe Weltsicht des Nachrichtenjournalismus ausließ. An plakativen Beispielen - vom angeblichen „Waldsterben“ bis hin zur Panikmache in Bezug auf die so genannte „Schweinegrippe“ - deckte Schneider auf, wie auf der Suche nach ungewöhnlichen, regelwidrigen, ja gar barbarischen Themen selbst in den Redaktionen renommierter Medienhäuser "Ereignisse zu Katastrophen aufgeblasen werden" und Schlagzeilen entstehen. Die Schlagzeilen würden quasi „den Furz als Wirbelsturm verkaufen“ und damit eher zur allgemeinen Desinformation beitragen. „Nicht die Recherche ist die Königsdisziplin des Journalismus, sondern Misstrauen und Augenmaß!“, gab der Grandseigneur des deutschen Journalismus den Jüngeren mit auf den Weg.
Und auch die anderen Foren boten den 450 Teilnehmern bei medienübergreifenden Gesprächen und Diskussionen den unkomplizierten Austausch der Erfahrungen aus ihrer journalistischen Arbeit. "Gespräch statt Vortrag“ lautete dabei das Motto für die Forumsbegegnungen. Und jedes Thema kam zweimal dran, um möglichst vielen Gästen die Teilnahme zu ermöglichen.
Auf dem "Marktplatz" wurden den interessierten Kollegen von Fachleuten Fragen zur sozialen Absicherung oder zur Aus- und Weiterbildung beantwortet. Ein Kamera-Service und Datendienste, Bücher und Broschüren - all das gab es auch, zum Stöbern, Kaufen oder Bestellen. Und in diesem Rahmen präsentierten im BR auch verschiedene Sponsoren ihre Dienstleistungen.
Eine Innovation des diesjährigen Journalistentreffens war der "Mappentag", bei dem 16 angehende Bildredakteure und Fotografen die Möglichkeit hatten, ihre Präsentationsmappen von erfahrenen Fachleuten prüfen zu lassen. Eberhard Wolf, Artdirector bei der Süddeutschen Zeitung, Rüdiger Schrader, Leiter der FOCUS-Bildredaktion, und Guido Schmidtke, Bildredakteur beim stern, haben die Mappen der angemeldeten Teilnehmer gesehen, beurteilt und die Arbeit der Kollegen durch wertvolle Tipps gefördert.
Der Süddeutsche Journalistentag in München erwies sich für die Journalistinnen und Journalisten als eine Veranstaltung von hohem Nutzwert. Kollegen aus dem Bayerischen Landesverband zogen deshalb das Fazit, das Treffen sei "einmal mehr ein voller Erfolg" und meinten, man dürfe davon ausgehen, dass sich mit der bereits vierten Veranstaltung dieser Art "schon eine Tradition begründete, die sich im jährlichen Kalender journalistischer Bildungsangebote ihren festen Platz erobert hat." (rk / ws /gw ) +++
HINWEIS der Redaktion: Soweit eine erste aktuelle Zusammenfassung des 4. Süddeutschen Journalistentages. Weitere ausführliche Berichte von den einzelnen Foren mit Bildern folgen in den nächsten Tagen (red.)
 
 
 
 
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