Landesverband Hessen e.V. des Deutschen Journalisten-Verbandes

 

DJV verurteilt Abberufung von TA-Chef Sergej Lochthofen
Hessen erklärt sich mit Thüringen solidarisch


27.11.2009 BERLIN/WIESBADEN.  Der Deutsche Journalisten-Verband wie auch seine Landesverbände Thüringen und Hessen protestieren gegen die Abberufung des Chefredakteurs der Thüringer Allgemeinen Sergej Lochthofen. "Sergej Lochthofen ist ein überaus profilierter Kollege, der wie kaum ein anderer die Sorgen und Wünsche der ostdeutschen Leserschaft in den Fokus der Berichterstattung rückt", sagte DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken. "Als nach der Wiedervereinigung von der Redaktion gewählter Chefredakteur und als Mitglied des Deutschen Presserates hat Sergej Lochthofen große Verdienste um den Journalismus erworben."

Das Management der zur WAZ-Mediengruppe gehörenden Thüringer Allgemeinen hatte am gestrigen Donnerstag Lochthofen von seinen Pflichten entbunden - nach Informationen des DJV deshalb, weil er sich gegen die Einführung von Desk-Modellen nach WAZ-Muster bei seiner Zeitung gewehrt hatte. Seine als Ressortleiterin tätige Ehefrau Antje-Maria Lochthofen solle nicht weiter bei der TA tätig sein, damit der künftige Chefredakteur mit Personen seines Vertrauens zusammenarbeiten könne, erfuhr der DJV. "Das mutet wie Sippenhaft an", kritisierte Konken, "die mit den ethischen Grundwerten eines Zeitungshauses nicht vereinbar ist." Der DJV-Vorsitzende forderte das Management der WAZ-Mediengruppe und die Geschäftsführung der Thüringer Allgemeinen auf, die Entscheidungen unverzüglich zurückzunehmen.

Der DJV-Landesverband Thüringen erklärte, die Abberufung sei "respektlos gegenüber der Redaktion, die ihn vor knapp zwanzig Jahren gewählt hat". Lochthofen hat sich als Chefredakteur stets für die Verankerung der Zeitung in der Region eingesetzt, die die Gefühle der Menschen achtet und im Auftrag der Leser handelt. Das hat der TA viel Anerkennung in Deutschland und international eingebracht. Möglich wurde das durch eine ständige Weiterentwicklung der Qualitätsmaßstäbe in der Redaktion und den persönlichen Einsatz von Sergej Lochthofen für eine ausreichende personelle Ausstattung der Redaktion. Nicht zuletzt deshalb wählte der DJV den TA-Chefredakteur in den Deutschen Presserat. Insbesondere in der Diskussion um das Trennungsgebot von Redaktion und Werbung und dessen Durchsetzung erwarb er sich große Verdienste.

Zu den von der Geschäftsführung beabsichtigten strukturellen Änderungen, wie Installieren eines regionalen News-Desk, hatte Sergej Lochthofen eine kritische Haltung. Er setzte andere Prioritäten: Stärkung der redaktionellen Kompetenz vor Ort, intensivere Kommunikation in der Redaktion, um dem publizistischen Auftrag noch besser zu erfüllen und den Leserbedürfnissen noch mehr zu entsprechen. Was ist von dem einstmals viel beschworenen WAZ-Modell geblieben, dass seinen Kern in der Achtung der redaktionellen Unabhängigkeit hatte.

Auch der DJV-Landesverband Hessen erklärte sich solidarisch und kritisierte den Rausschmiss durch die TA-Geschäftsführung. Dies sei ein "Umgang nach Gutsherrenart", den Lochthofen nicht verdient habe. "So geht man nicht mit einem Menschen um, der großen Anteil an der positiven Entwicklung des Zeitungshauses hatte" erklärte dere hessische DJV-Landesvorsitzende Hans-Ulrich Heuser in Wiesbaden. +++