Landesverband Hessen e.V. des Deutschen Journalisten-Verbandes

 

Ein "Vollblut-Gewerkschafter" und Hörfunk-Reformer - "Fri-Fra" Sackenheim (84 † )

125.01.2011 FRANKFURT/M. Der langjährige Chefredakteur und stellvertretende Programmdirektor des hr-Hörfunks, Friedrich Franz ("Fri-Fra") Sackenheim, ist am heutigen Dienstag im Alter von 84 Jahren in Berlin gestorben. Der Hessische Rundfunk schulde ihm Dank und Anerkennung für seine Verdienste, heißt es in einer ersten Erklärung des Senders. Sackenheim war über 60 Jahre Mitglied des Hessischen Journalistenverbandes und des Deutschen Journalistenverbandes (DJV). Für sein Engagement um die gewerkschaftliche Arbeit und den Journalismus wurde er im November 1995 zum Ehrenmitglied des Deutschen Journalistenverbandes (DJV) und des Hessischen Journalistenverbandes (hjv) am 12. Juli 1997 ernannt worden.

Der Vorsitzende des DJV-Landesverbandes Hessen, Hans-Ulrich Heuser, bezeichneten Sackenheim heute als "Vollblut-Gewerkschafter", weil er auch als hr-Chefredakteur immer die Probleme der Kollegen im Auge hatte. In mehr als fünf Jahrzehnten habe sich der Verstorbene für die beruflich-sozialen Belange im Journalismus eingesetzt. Besonders für den beruflichen Nachwuchs sei der Tod von "Fri-Fra" ein "schmerzlicher Verlust".

Sackenheim war 1926 in Frankfurt am Main geboren und begann nach der Kriegsgefangenschaft 1946 eine freie Mitarbeit bei Jugendzeitschriften und dem Rundfunk, wurde danach Zeitungsvolontär und Redakteur in Berlin, um dann eine 34-jährige Karriere in seiner Heimatstadt beim "hr" zu starten: zuerst als Redakteur und Chef vom Dienst bei der Hessenrundschau, später als Abteilungsleiter für die Hessenrundschau und die Nachrichtenabteilung. Von 1962 bis 1971 war er stellvertretender Chefredakteur und Leiter Nachrichten und von 1971 bis zu seinem Ruhestand im Jahr 1991 Chefredakteur und Vertreter des Programmdirektors Hörfunk.

Als "politischer Kopf" leitete Sackenheim seine Hauptabteilung (Nachrichten, Politik, Wirtschaft, Sport) mit grossem Engagement. Er kümmerte sich um eine angemessene Vertretung des hr im weltweiten ARD-Korrespondentennetz und pflegte die Kontakte zur Politik in Wiesbaden und Bonn. Bundesweit bekannt war er auch als entschiedener Streiter für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Schön früh hatte sich Sackenheim um die sozialen und beruflichen Belange der Journalistenkollegen gekümmert. Eintritt in den hjv/DJV am 01. Oktober 1949. Dem Vorstand des Hessischen Journalistenverbandes (hjv) gehörte er von 1963 bis 1981 an und übernahm 1981 auch den Vorsitz im Bundesfachausschuss "Rundfunk". In dieser Funktion verteidigte er zäh bei aller Kritik im Einzelnen die dominierende Funktion des öffentlich-rechtlichen Rundfunk- und Fernsehsystems. Mit seinen Warnungen vor den Gefahren des Privatfernsehens hat er nur allzu recht bekommen. Im Bundesvorstand des DJV wirkte Sackenheim von 1981 bis 1985 mit. Zu den zahlreichen journalistischen Engagements gehörte auch seine Mitarbeit von 1976 bis 1981 als Mitglied des Deutschen Presserates. Auch wenn er zuletzt gesundheitlich nicht immer fit war, so unternahm er doch viele Anstrengungen, um bei großen Veranstaltungen oder den Landes- und Bundesverbandstagen immer dabei zu sein.

Er sei "ein Mann des Wortes mit Witz und Charme" schrieb die RHEIN-MAIN-ZEITUNG (FAZ) über "FriFra" anläßlich eines Empfangs im Frankfurter Römer mit der Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU). Sie würdigte aber nicht nur dessen Esprit, sondern sagte über den Sozialdemokraten: "Ich habe viel von ihm gelernt". Sackenheim war ungewöhnlich lange in der Frankfurter Kommunalpolitik aktiv: 33 Jahre als Stadtverordneter und Stadtrat. So war es nicht verwunderlich, dass der 75jährige in seiner Dankesrede denn auch Warnungen und Seitenhiebe austeilte. "Ohne den Standortfaktor Kultur wird die Stadt des Euros kalt und grau" mahnte der frühere Hörfunk-Chef des Hessischen Rundfunks vor einem knappen Jahrzehnt. (red), +++