Landesverband Hessen e.V. des Deutschen Journalisten-Verbandes

 

Radio-Urgestein Werner Reinke bei „Redakteur im Verhör“
„Mein Leben ist eine einzige Lachnummer“

18.03.2011 FRANKFURT/M. . „Eine gute, markante Stimme schadet beim Radio nicht, aber sie ist nicht alles. Viel wichtiger ist erlerntes Handwerk und ein gewisses Talent“. Davon ist Werner Reinke, Moderator bei hr1, überzeugt. Der Mann, dessen Stimme sein Markenzeichen ist, war Gast bei „Redakteur im Verhör“, einer gemeinsamen Veranstaltung des DJV Hessen und der Hörfunkschule Frankfurt. Hier sollen angehende Journalisten sich mit „alten Hasen“ austauschen können. Diesmal stellte sich Werner Reinke den Fragen von Dennis Horn, der bei YOU FM und 1LIVE zu hören ist. Natürlich durfte sich auch das Publikum mit Fragen einschalten.

In lustigen Anekdoten erzählte der Hörfunkmoderator von seinem holprigen Weg ins Radio. Denn der Ehrgeiz, den Reinke bei seiner Radiokarriere an den Tag legt, ließ er nicht immer erkennen. Der heute 64-jährige ist nach der neunten Klasse von der Schule geflogen, aber das kann er Nachwuchsjournalisten nicht empfehlen: „Ich bin eigentlich eine faule Socke, aber im Beruf gilt das Gegenteil“, so Reinke. Mit Wörtern wie „Kultstatus“ oder „Radio-Legende“ kann er wenig anfangen, dabei hat er eine bemerkenswerte Karriere hingelegt. Sein erstes Geld verdiente der gebürtige Delmenhorster als Holzimporteur. Anschließend ging er zum Bund und sammelte dort bereits erste Radioerfahrungen, als er gemeinsam mit einem Kameraden einen Piratensender in seiner Kaserne auf die Antenne schickte. Während seiner Bundeswehrzeit war der Musikliebhaber Reinke außerdem als DJ unterwegs.

Erste Schritte im Hörfunk machte er dann bei Radio Bremen, da lernte er die Grundlagen des Hörfunks und bekam später sogar eigene Sendungen. „Dort gab es kurze Dienstwege und ich konnte alles machen. Ich kann kleine Anstalten für angehende Journalisten nur empfehlen“, sagt der Moderator. Seine Sendungen bei Radio Bremen hörten aufmerksame Kollegen und so kam es, dass Reinke ab 1971 auch für den Hessischen Rundfunk arbeitete. Dort moderierte er unter anderem die „Hitparade International“ – und das stolze 777 Mal. Im Jahr 1989, die Privatsender kamen gerade auf, hatte Reinke erst mal genug vom „on air gehen“ und legte bis 2002 eine Radiopause ein. In dieser Zeit hat er Veranstaltungen moderiert, Werbeclips gesprochen und Filme vertont. Außerdem war er Stadionsprecher beim American Football und sorgte bei den Spielen der „Frankfurt Galaxy“ für Stimmung.

Das Radiocomeback 2002 kam dann selbst für ihn überraschend: „Ich bin immer durch witzige Zufälle an meine Jobs gekommen. Mein Leben ist eigentlich eine Lachnummer“, freut sich Reinke. Eine Sendung, die er anlässlich des 30-jährigen Jubiläums von hr3 moderierte, kam super an und die Hörer wollten ihn weiter auf Sendung haben. Reinke selbst fand es reizvoll herauszufinden, ob er in einer für ihn „neuen Radiowelt“ auch bestehen könne. Und er kann: Bei hr1 moderiert er nun die Musiksendungen „Lounge“ und „Reinke am Samstag“. Dabei sollen seine Hörer immer überrascht und unterhalten werden und sich selbst einbringen können: „Ich sehe mich selbst eigentlich nicht als Journalist, sondern als Entertainer. Ich lade Leute in meine Sendung ein, weil ich sie gut finde, aber ich gehe kritisch mit ihnen um“.

Allerdings bedauert Reinke, dass Formatradio den Journalisten heute wenige Freiheiten zur Entfaltung lässt. Sein Tipp für Jungjournalisten: „Versuche authentisch und originell zu bleiben und versuche nicht in ein Sendeschema zu passen“. Das gesamte Verhör mit Werner Reinke gibt es als Podcast unter www.ausbildungsradio.de. (Verena Horeis) +++

Infokasten: „Redakteur im Verhör“ ist eine gemeinsame Veranstaltung des DJV Hessen mit der evangelischen Hörfunkschule Frankfurt. Zweimal im Jahr stehen Promis aus den Medien im Kreuzverhör. Dabei können sich junge Journalisten und erfahrene Medienmacher kennenlernen und austauschen. DJV und Hörfunkschule wollen Nachwuchsjournalisten unterstützen und für eine qualitativ hochwertige Ausbildung fördern.