Landesverband Hessen e.V. des Deutschen Journalisten-Verbandes

 


3.000 Journalisten und Drucker demonstrierten auf Römerberg:

"Wir wollen faire Tarifverträge für gute Arbeit!" - NEU: VIDEOFILME

109.06.2011 FRANKFURT/M.
Faire Tarifverträge, gerechte Bezahlung, Ende von Leiharbeit und Tarifflucht der Verleger - so lauteten die Forderungen von etwa 3.000 Journalistinnen und Journalisten, Druckern und Verlagsangestellten der Printmedien auf der heutigen Kundgebung von DJV und ver.di in Frankfurt/Main. Aus allen Teilen Deutschlands kamen sie auf dem Römerberg in der Mainmetropole zusammen, um gegen den Verlegersparwahn und für faire Tarifverträge zu demonstrieren. In orangefarbenen Jacken, sowie mit Trillerpfeifen, Transparenten und Schildern machten sie ihrem Unmut deutlich Luft. Aus verschiedenen Bereichen war im Verlauf der über zweistündigen Veranstaltung immer wieder die Forderung nach "Urabstimmung" zu hören.

15.06.2011
Video ndr/ZAPP


Die beiden Verhandlungsführer von DJV und ver.di, Kajo Döhring und Frank Werneke, berichten den Demonstranten von der aktuellen Tarifsituation bei Zeitungen und Zeitschriften. Die Vorsitzenden von dju in ver.di und DJV, Ulrich Janßen und Michael Konken, bekräftigten, warum faire und angemessene Tarifverträge für die Zukunft des Qualitätsjournalismus unverzichtbar sind. Es gehe aber auch um die "Würde des journalistischen Beufes". Ganz ausdrücklich wurde dem Plan der Verleger widersprochen, einen "Billiglohntarif" einzuführen. Noch nie sei in den vergangenen zehn Jahren so wenig wie jetzt verhandelt worden, kritisierten Döring und Werneke. Die Arbeitgeber "versuchen uns erpresserisch unter Druck zu setzen". Wenn es um den Flächentarifvertrag gehe, hätten die Arbeitgeber ohnehin ihre Glaubwürdigkeit verloren.

Eindrucksvoll schilderten betroffene Kolleginnen und Kollegen aus Redaktionen und Technik, wie sich der steigende Kostendruck auf ihre Arbeit auswirke. Am Mittag stiegen dann tausende Luftballons mit dem Slogan "Journalismus ist mehr wert" in den Himmel über Frankfurt auf.

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"Die Tarifverhandlungen mit den Zeitungs- und Zeitschriftenverlegern treten auf der Stelle", kritisierte DJV-Verhandlungsführer Kajo Döhring. "Die Verleger beharren auf einer Abwertung des Redakteursberufs." Er hoffe, dass die Vertreter des BDZV durch die zahlreichen Warnstreiks der letzten Wochen und die Frankfurter Kundgebung endlich Vernunft annähmen und ihre Forderungen nach Tarifverschlechterungen zurückzögen. ver.di-Verhandlungsführer Frank Werneke: "Es gibt keinen Grund für Tarifverschlechterungen. Den Verlagen geht es wirtschaftlich besser, als sie uns weis machen wollen. Die Druckindustrie verzeichnet aktuell ein Umsatzplus von fünf Prozent. Verlagsangestellte, Drucker und Redakteure haben einen berechtigten Anspruch auf angemessene Einkommenssteigerungen und den Erhalt ihrer tarifvertraglichen Rechte."

Von zahlreichen hessischen Druckbetrieben und Zeitungsverlagen waren heute die Beschäftigten zu Warn- oder Solidaritätsstreiks aufgerufen worden. Nachdem in einigen Betrieben bereits seit Dienstag dieser Woche gestreikt wird, kommen am heutigen Donnerstag hinzu: Echo Zeitungen GmbH in Darmstadt mit allen Echo-Ausgaben in Südhessen, Echo Druck und Service GmbH in Darmstadt, Wetzlarer Neue Zeitung, Dill-Zeitung, Redaktionsgemeinschaft DuMont (Frankfurt), Frankfurter Rundschau, FR-Publishing (Frankfurt). Weiterhin im Warnstreik sind Beschäftigte der Frankfurter Societäts-Druckerei und der Westdeutschen Verlagsdruckerei in Mörfelden, von Dierichs Zeitungsdruck in Kassel, des Druckzentrums Neu-Isenburg und der Druckerei alpha print medien AG in Darmstadt.

Auch die Redakteurinnen und Redakteure der Frankfurter Neuen Presse sind heute erneut im Streik. An den Arbeitsniederlegungen beteiligen sich im Laufe des Tages bis Freitagfrüh rund 700 Beschäftigte.

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Die Kundgebung von DJV und ver.di war der bisherige Höhepunkt der - von erfreulich vielen freiberuflichen Journalisten unterstützten - Arbeitskampfmaßnahmen im Rahmen der Tarifverhandlungen für die bundesweit rund 14.000 Redakteurinnen und Redakteure sowie Freie an Tageszeitungen und die 160.000 Beschäftigten der Druckindustrie von Redakteuren und Druckern an Tageszeitungen und Zeitschriften. Sie richten sich gegen die vom Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) verlangten Tarifabsenkungen um bis zu 30 Prozent für neu einzustellende und den Verlag wechselnde Redakteure sowie gegen Tarifeinschnitte für die derzeit beschäftigten Redakteure.

Die Gewerkschaften fordern vier Prozent mehr Gehalt für die Tageszeitungsredakteure und Freien. In der Druckindustrie kämpfen die Beschäftigten gegen massive Verschlechterungen des Manteltarifvertrags und für eine Lohnerhöhung um 5,5 Prozent sowie eine Begrenzung der Leiharbeit. Am 15. Juni sollen die Tarifverhandlungen für die Redakteure in Düsseldorf fortgesetzt werden. Gewerkschaftssprecher bezeichneten den heutigen Tag als "eindrucksvolles Signal" - das vielleicht im September/Oktober wiederholt werden müsse, wenn sich die Arbeiten nicht "bewegten".(hz/ma) +++

Fotos: Braune (13) / Roewer (2)


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